Auf den Spuren von Bodo Ebhardt und... Wilheim II

Menschen, die mich privat kennen, wissen, dass ich neben der Stadtführertätigkeit gerne auch selbst reise und Neues kennen lerne.

So führte mich eine Reise am letzten Wochenende mal wieder in den Elsass, das Grenzgebiet zwischen Frankreich und Deutschland, das lange Jahre mal dem einen, mal dem anderen Land gehörte und deswegen bis Heute die Spuren beide Kulturen trägt.

Der Zungenschlag, der vor Ort gesprochen wird, erinnert sehr an eine Mischung von Schwäbisch und Französisch, zu den Essspezialitäten gehört u.a. Choucroute also Sauerkraut mit Wurst und Fleischbeilage bzw. Baeckeoffe ein kräftiger Eintopf aus der traditionellen Tonterrine... Aber... ich wollte nicht vom Essen erzählen!

Bei den Streifzügen durch den Elsass führten uns diesmal die Wege zur Hohkönigsburg, bzw. Chateau du Haut-Koenigsburg, wie sie Heute heißt. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als staufische Reichsburg erbaut, gehörte sie zwischendurch auch den Habsburgern, bis sie sich ab 1871 im Deutschen Reich befand und 1899 durch die Stadt Schlettstadt/Sélestat Kaiser Wilhelm II geschenkt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war es eigentlich nur noch eine Ruine, die in den Jahren 1901–1908 durch den Berliner Architekten und Burgenforscher Bodo Ebhardt restauriert wurde...

Berliner Architekt? Da musste ich doch staunen, weil ich noch nie von Bodo Ebhardt gehört habe! Tatsächlich handelt es sich dabei um einen aus BREMEN stammenden Architekten, der 1899 die Deutsche Burgenvereinigung gründete und 1909 Ehrenbürger von Braubach wurde und seit dem auf der Marksburg in Braubach lebte. Aber bis er sich in Burganlagen spezialisiert hat, hat er tatsächlich mehrere Villen und Häuser in Berlin gebaut, so u.a. das Logierhaus "Fürstenhof" in Karlshorst (1894), die Villa Scheche in Grunewald (1896) oder die Villa Langenscheidt in der Colonie Alsen in Wannsee (1899-1901). Und auch das Sportdenkmal für den deutschen Wassersport in Grünau wurde 1898 nach Plänen von Ebhardt gebaut - leider ließ die DDR-Regierung 1973 im Zuge der Vorbereitung zu den Weltfestspielen das Monument abreißen. Einige Teile davon findet man inzwischen im dem Grünauer Wassersportmuseum.

Also auch, wenn ich mich aus Berlin wage, lerne ich etwas Neues über die Stadt hinzu!

Übrigens über die Hohkönigsburg schrieb Viktoria Luise von Preußen, die Tochter Kaiser Wilhelms II. in Ihren Lebenserinnerungen: „Die Hohkönigsburg, an der zahlreiche Erinnerungen deutscher Geschichte haften, war meinem Vater bei einem Besuch von Schlettstadt vom Bürgermeister als Geschenk geboten worden. Er hatte es angenommen und eine umfassende Restaurierung in die Wege geleitet. Rund zehn Jahre danach standen wir dann an einem Maitag zur Einweihung an der mächtigen Burg. Unser Blick glitt über die weite Ebene des Rheintals, hinüber zu den langgestreckten Höhen des Schwarzwaldes und bis zu der in der Ferne schimmernden Alpenkette. In seiner Ansprache wies mein Vater auf die ereignisreiche Vergangenheit hin: ,Die Geschichte nennt uns eine ganze Reihe von Namen aus erlauchten Fürstenhäusern und edlen Geschlechtern als Eigentümer, Pfandbesitzer und Lehensträger, zuförderst die Kaiser aus dem Hause Hohenstaufen und dem Hause Habsburg, dann die Herzöge von Lothringen und Unterelsaß, die Landgrafen von Werd, die Herren von Rathsamhausen, von Oettingen und von Berckheim, die Grafen von Thierstein, deren großartiger Bau nun wieder erstanden ist, die Ritter von Sickingen, deren Einzug in die Burg uns heute so trefflich vorgeführt ist, und die Freiherren von Bollweiler und Fugger. Nun ist die Burg wieder Eigentum des Deutschen Kaisers geworden.′ Dann sagte er: ,Möge die Hohkönigsburg hier im Westen des Reiches, wie die Marienburg im Osten, als ein Wahrzeichen deutscher Kultur und Macht bis in die fernsten Zeiten erhalten bleiben.′” (Zitat nach Wikipedia).

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