Die Bier-Hauptstadt

Wenn man an deutsches Bier denkt, denkt man wohl vor allem an Bayern und das Oktoberfest in München - ein Fest, das aber eigentlich immer im September beginnt... Oktober??? Na ja...

Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, aber noch bis zum 2. Weltkrieg war die deutsche Bier-Hauptstadt... die Hauptstadt halt! Berlin!

Rund 40 Brauereien gab es zu beiden Seiten der Spree, die vor allem Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Stadtmitte auf die "Berge" gezogen sind, wo man leichter die Bierkeller bauen konnte, die man brauchte um das neue "bayerische" Bier (Heute einfach "Pilsner" genannt") kühl zu lagern.

So waren vor allem der Prenzlauer und der Kreuzberg mit Brauereien bebaut, die zum Teil noch Heute bekanntes Bier wie Schultheiss, Patzenhofer, Berliner Kindl uvm. brauten.

Heute sind die meisten Brauereien an die Stadtgrenzen gezogen, die ehemaligen Komplexe in der Stadt werden, nach umfassender Restaurierung, zu anderen Zwecken genutzt. So ist aus der Schultheiss-Brauerei die "Kulturbrauerei" entstanden (http://kulturbrauerei.de/de/gelaende), am Pfefferberg haben sich Künstler und Architekten angesiedelt (http://www.pfefferberg.de/), das Gelände der alten Königstadtbrauerei beherbergt eine Genossenschaft mit Gewerbeeinrichtungen (http://www.gidak.de/), die Weißbierbrauerei Landré Breithaupt wird gerade zum Wohnviertel umgebaut (http://www.berlin-lavie.de/) und Bötzow...

Einst war es die größte Privatbrauerei in Berlin mit fast 5.000m² Kellerfläche (mit dem unterirdischen Pferdestall 6.000m²) und einem fast 6.000 Menschen fassenden Biergarten mit einem spektakulären Blick vom Mühlenberg über ganz Berlin.

Am 13. April 1864 eröffnete der Berliner Großgrundbesitzer Julius Bötzow seine Brauerei in der Alten Schönhauser Straße 23/24. Diese und etwas Startkapital hatte er von seinem Onkel Franz Bötzow sowie seinem Großvater erhalten, die den Geschäftssinn seines Neffen früh erkannten. Aufgrund eines enormen Zuspruchs begann Bötzow wenige Jahre später am Windmühlenberg in der Prenzlauer Allee unterirdische Lagerkeller und denBiergarten anzulegen. 1884 baute Bötzow auf diesem Areal Erweiterungsbauten, die teilweise bis heute erhalten sind. Als erster Brauer im Deutschen Reich durfte sich Bötzow „Hoflieferant seiner Majestät des Königs von Preußen“ nennen. Aber auch später liefen die Geschäfte gut weiter - auch oder gerade wg. der NSDAP-Zugehörigkeit der Familienmitglieder. Und auch wenn das Gelände während der Bombardements 1943/44 teilweise getroffen wurde, so hat die Brauerei durchgehend bis Ende April 1945 und bereits ab Mitte Mai 1945 Bier produziert - bis 1949 als ein Brauereibetrieb für die SMAD, also die russische Armee...

Heute sind die Gebäude zwar stark heruntergekommen, durch die Kellergewölben sickert das Wasser und die Wände sind teilweise sogar mit Schwarzschimmel bewachsen, aber das Leben soll auch hier wieder zurück kehren. In den nächsten Jahren sollen die Mauern getrocknet werden und in die Kellergewölbe sollen Restaurants, Geschäfte und ein Spa einziehen, während oben ein Hotel, eine Gallerie und u.a. ein Schwimmbad entstehen sollen... Der neue Besitzer, die Firma Otto Bock mit ihrem Chef Hans Georg Näder planen eine Neueröffnung im Jahren 2019 - zum 100. Geburtstag von Otto Bock. Ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten...

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