Auf den Spuren von Nazi-Deutschland

Bei einem Spaziergang zum Tempelhofer Feld ist mir letztens am Straßenrand vom Columbiadamm ein Denkmal aufgefallen. Auf einer Tafel steht da geschrieben "Das Columbia-Haus war ab 1933 Gefängnis und vom 08.01.1935 bis 5.11.1936 ein Konzentrationslager der Nationalistischen Machthaber. Hier wurden Menschen gefangengehalten, entwürdigt, gefoltert, gemordet".

Tatsächlich steht das Mahnmal bereits seit Dezember 1994 an dieser Stelle und erinnert an das im Zuge der Flughafenerweiterung 1938 abgerissenes Gebäude. Ursprünglich bereits um 1900 gebautes Militärgefängnis wurde später als Gestapo-Gefängnis benutzt. Durch seine Lage nahe der Berliner Innenstadt waren hier besonders viele prominente Persönlichkeiten des politischen Lebens inhaftiert. Dazu gehörten u.a. der Rabbiner Leo Baeck, der Ringer Werner Seelenbinder oder die Politiker Ernst Thälmann und Erich Honecker (!).

Aber das Haus ist auch für viele KZ-Kommandaten bekannt, die hier eine ihrer ersten "Karrierestationen" hatten. Laut Wikipedia: Als das Columbia-Haus im Dezember 1934 zum KZ wurde, wurde auch der bisherige Gefängnisleiter SS-Sturmbannführer Walter Gerlach abgelöst, der diesen Posten seit dem 1. August 1934 innehatte. Adjutant von Gerlach war der spätere Lagerkommandant der KZ Majdanek und Auschwitz I, Arthur Liebehenschel, der ebenfalls abgelöst und in das KZ Lichtenburg versetzt wurde. Nachfolger von Gerlach wurde der SS-Oberführer Alexander Reiner, der lediglich durch einen achttägigen Vorbereitungskurs im KZ Dachau mit dem Konzentrationslagerwesen in Berührung gekommen war. Gegen Reiner und seinen Stellvertreter Hans Schmidt wurde 1935 wegen zwei Mordfällen an Häftlingen ermittelt. Nach seiner späteren Ablösung folgte ihm der SS-Obersturmführer Karl Otto Koch, der als späterer Kommandant von Sachsenhausen und Buchenwald berüchtigt war. Wegen seiner Brutalität hielt ihn Eicke für den richtigen Mann. Am 1. April 1936 wurde Koch als Kommandant nach Esterwegen versetzt. Der SS-Oberführer Heinrich Deubel übernahm als letzter Kommandant die Führung des Columbiahauses. Er wurde am 22. September 1936 abgelöst, da er als „zu weich“ galt. Bis zur Auflösung des Lagers übernahm Deubels Adjutant Max Koegel, später Kommandant in Majdanek und Flossenbürg, kommissarisch die Leitung des KZ. Zu den späteren KZ-Kommandanten, die auch im Columbia-Haus „gelernt“ haben, gehörten auch Richard Baer (KZ Auschwitz und KZ Mittelbau), Max Koegel (Frauen-KZ Ravensbrück) und Albert Sauer (KZ Riga-Kaiserwald).

Während man bei einer Rundfahrt am Flughafen Tempelhof entlang fährt, erwähnt man immer das Terminal als eins der letzten Häuser aus der Nazi-Zeit. Aber vielleicht sollte man auch dem kleinen Denkmal auf der anderen Straßenseite Beachtung schenken? Ich werde es zukünftig tun!

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